Sonntag, 18. Mai 2014
Tipps für die Buchpräsentation
Kriterien
der Buchvorstellung
Wähle
ein Buch aus, das dir gefällt.
Während
des Lesens solltest du dir schon Notizen machen zu den Hauptfiguren
und ihren Beziehungen untereinander.
Markiere
dir Textstellen, die du spannend, interessant, lustig findest oder
die für die Handlung bedeutsam sind.
Bereite
dann deine Buchpräsentation vor.
Folgende
Angaben sollte sie enthalten:
- Titel und Autor des Buches (an die Tafel schreiben oder auf Folie)
- Zusammenfassung der Handlung
- die wichtigsten Personen mit kurzer Charakteristik
- die Beziehungen der Figuren untereinander (Tafelbild)
- allgemeine Angaben zum Buch wie Erzählperspektive, Genre, Zeit und Ort der Handlung, erzählte Zeit, Erzählzeit, Besonderheiten des Erzählens
- der Autor/die Autorin
- eine Leseprobe
- deine Meinung zum Buch oder Thema
- Warum hast du das Buch ausgewählt?
Achte
darauf, dass du deinen Vortrag gut aufbaust und dass du das Interesse
der Zuhörer weckst. Überleg dir, wie du das erreichen kannst.
Benutze
auf jeden Fall Anschauungsmittel, wie z. B, Handreichungen, einen
Tafelanschrieb (vor der Präsentation anschreiben), Folie, Plakat
oder Power Point.
Zeitvorgabe
ca. 10 bis 15 Minuten
Bewertungskriterien:
- Hast du das Thema inhaltlich erfasst und den Zuhörern angemessen vermitteln können?
- Hast du die Hauptpersonen umfangreich dargestellt und ihre Beziehungen untereinander erkannt?
- Hast du die Zuhörer mit deinem Vortrag erreicht? (Lautstärke, Formulierungen, Darstellung)?
- Hast du Anschauungsmittel sinnvoll eingesetzt?
Sonntag, 9. Februar 2014
Geschenke
Teil
3
Eine
schöne Bescherung
Nachdem sich Lotte in dem
kuscheligen, warmen Bett ihrer großen Schwester aufgewärmt hatte,
huschte sie schnell in ihr Zimmer, um sich eine Strumpfhose und eine
Jacke überzuziehen. Doch Ylvie, die die Kleine beobachtet hatte,
reichte ihr noch ein paar dicke Socken und ihre warmen Hausschuhe.
„Wir wissen doch gar nicht, wie lange unsere Suche dauern wird.
Willst du wieder so frieren wie vorhin?“ Lotte schüttelte den
Kopf, nein, natürlich nicht. Sie wollte nicht wieder frieren, aber
lange suchen wollte sie auch nicht. Sie wollte ihre neue Puppe
Josefine jetzt endlich in den Armen halten. So beeilte sich Lotte mit
dem Anziehen, aber durch ihre Unruhe wollte es ihr nicht gelingen,
die Strumpfhose über ihre Beine zu ziehen. Immer wieder hatte sie
ein großes Knäuel Strumpfhose in der Hand, an den Beinen aber
fehlte etwas. Wieder spürte sie, wie ihr die Tränen in die Augen
schossen. Ylvie, die sich mittlerweile neben die kleine Schwester
gestellt hatte, griff die Hosenbeine der Strumpfhose und zog sie
langsam, aber sicher über Lottes Füße und an ihren Beinen hoch.
Als sie den Hosenbund an Lottes Bauch gefasst hatte, hob sie die
Kleine ein Stück vom Boden hoch, sodass Lotte wieder anfing zu
lachen. „So, kleine Lotte, jetzt nur noch deine Jacke, die Strümpfe
und die Schuhe und schon kann's losgehen. Denk aber dran, dass wir
ganz leise sein müssen. Die anderen schlafen ja noch.“ Lotte nahm
den Zeigefinger ihrer rechten Hand und legte ihn über ihren
geschlossenen Mund, während sie nickte.
Die Schwestern starteten
ihre Suche in Lottes Zimmer, denn Ylvie wollte noch einmal alle
Stellen genauer untersuchen. Vielleicht hatte Lotte etwas übersehen?
Aber so genau die beiden auch schauten und alles auf den Kopf
stellten, Josefine war verschwunden. „Lass uns im Wohnzimmer
nachsehen. Vielleicht wollte sie ja zurück unter den
Weihnachtsbaum“, überlegte Ylvie, doch auch in dem noch immer
festlich wirkenden Wohnraum, in dessen Mitte der prächtige, große
Tannenbaum thronte, konnten sie Josefine nicht finden. „Ich habe da
eine Idee. Was hältst du davon, wenn wir Boss in unsere Suche mit
einbeziehen. Er kann wunderbar riechen, du müsstest ihm nur etwas
geben, das Josefine gehört.“ Begeistert rannte Lotte die Treppe
nach oben in ihr Zimmer und kam mit dem Kleid zurück, das sie für
Finchen bekommen hatte, damit sie die Puppe auch mal umziehen konnte.
„Dann wollen wir doch mal unseren Detektiv bemühen“, meinte
Ylvie und schritt auf das Hundekörbchen des Collierüden zu. Boss
schlief, hob aber seinen Kopf, als Ylvie und Lotte so dicht vor ihm
standen. „Vielleicht gibts ja was zu futtern?“, mochte er sich
denken, denn schwerfällig erhob er sich, um hinter Ylvie
herzutrotten. Ylvie hockte sich neben den trägen Hundemann und
streichelte ihn. „Sieh mal, Boss, das ist ein Kleid von Josefine,
unserer neuen Bewohnerin und Lottes Freundin. Meinst du, du kannst
uns bei der Suche nach ihr behilflich sein?“, und während sie das
sprach, hielt sie das Kleidchen direkt unter die feuchte Nase des
Hundes. Boss schnupperte nicht nur an dem Puppenkleid, er zog auch
seine Zunge darüber, was Lotte gar nicht gefiel. „Lass das, Boss,
ich will Fine kein nasses Kleid anziehen.“ „Du weißt doch, was
er für eine Vorliebe für Kuschelsachen hat. Erinnerst du dich noch
daran, wie oft er meinen Hausschuh weggetragen hat?“ Lotte nickte.
Ja, daran konnte sie sich noch gut erinnern. Wie lange hatten alle
gemeinsam das Haus auf den Kopf gestellt, um Ylvies Hausschuhe wieder
zu finden. „Warte mal“, platzte es aus Ylvie heraus, „ich habe
da eine Idee.“ Sie stürmte zu dem Hundekörbchen und entdeckte ein
rotes Haar auf dem Kissen. „Lotte, sieh! Hier ist ein rotes Haar.
Das kommt mir doch sehr bekannt vor.“ Ylvie zog mit ihrem
Zeigefinger und dem Daumen den roten Faden aus dem Körbchen, hielt
ihn nach oben und zeigte ihn ihrer Schwester. „Das ist ein Haar von
Josefine! Ich erkenne es ganz genau. Boss, wo hast du Finchen
hingeschleppt?“ Lotte baute sich vor dem Hund auf, stemmte ihre
Arme in beide Hüften und sah ihn herausfordernd an. In ihren blauen
Augen blitzte es, denn Lotte war ganz schön wütend. Wie konnte Boss
nur ihr schönstes Weihnachtsgeschenk stehlen und dann auch noch
wegtragen, verstecken und ihm ein Haar herausreißen?
Der Hund sah Lotte
fragend an und gähnte. „Na toll. Nicht mal antworten kannst du.
Das finde ich wirklich ganz schön blöd von dir, weißt du, ganz
schön blöd.“ Während Lotte so auf den Collie einsprach, kniete
Ylvie am Hundekörbchen und hob das Kissen nach oben. „Das ist ja
nicht zu fassen“, rief sie. „Sieh mal, wen wir hier haben!“
Ylvie hielt Josefine nach oben. Josefine! Sie sah gar nicht mehr aus
wie die Puppe, die Lotte gestern vorsichtig unterm Weihnachtsbaum
hervorgezogen, der sie das Haus gezeigt hatte und mit der sie ins
Bett gekrochen war. Ihre schönen langen roten Haare waren
herausgerissen, nur noch ein paar Fransen hingen am Kopf herunter,
das knallbunte Kleid war kaputt und insgesamt sah sie ziemlich
ramponiert aus. Lotte erschrak, griff nach Josefine, drückte sie
liebevoll an sich und fing zu weinen an. „Meine liebe kleine Fine.
Du siehst ja ganz schmutzig und krank aus. Du armes Püppchen.
Während ich geschlafen habe, hat Boss dich so zugerichtet. Aber mach
dir keine Sorgen, ich werde dich wieder gesund machen.“ Sie wusste
zwar überhaupt nicht, was sie tun konnte, um aus dieser kaputten
Puppe die zu machen, die sie noch gestern gewesen war, aber es
tröstete sie, die Worte zu sprechen. Ylvie schimpfte mit Boss. „Was
hast du da nur angerichtet? Das ist doch kein Hausschuh, das ist
Lottes Freundin. Die kannst du nich einfach wegschleppen und
zerfetzen. Das geht wirklich nicht!“ Durch den Krach im Flur wurden
die Eltern wach und erschienen mit ihren Bademänteln auf der
Treppe. „Was ist denn so früh am Morgen hier los?“, wollte Mama
wissen, die noch sehr verschlafen und zerzaust wirkte. Als sie sah,
dass ihre jüngste Tochter weinte, rannte sie die Treppenstufen
hinunter und sah – Josefine. „Nein, das ist ja unerhört. Wer war
das?“ Ylvie übernahm das Reden, denn Lotte schluchzte schon
wieder, sodass ihr keine Worte mehr über die Lippen wollten. „Zeig
mal das Püppchen“, forderte Mama die Kleine auf und mit verweintem
Gesicht und einer tropfenden Nase, mittlerweile doch wieder frierend
reichte Lotte ihre beste Freundin der Mutter. „Wir bestellen dir
eine andere Puppe beim Christkind, ja?“, meinte Mama und
streichelte Lotte liebevoll über das Haar. Aber da fing Lotte noch
lauter an zu weinen. Mama und Ylvie blickten das kleine Mädchen, das
da traurig und verzweifelt im Flur stand, verständnislos und fragend
an. „Das Christkind wird dich verstehen und dir sicher ganz schnell
schon eine neue Josefine schicken. Sie wird bestimmt auch genau so
wie diese hier aussehen. Wir müssen nur ein paar Tage abwarten,
damit das Christkind das Püppchen besorgen kann.“ Es schien so,
als hätte die Mutter etwas ganz Furchtbares gesagt, denn das Weinen
von Lotte wurde nun zu einem lauten Jammern. „Lotte, sag doch
etwas“, bat Ylvie, denn sie waren ratlos. Warum nur ließ sich
Lotte nicht trösten?
Mama hob das weinende
Kind auf den Arm, trug es ins gemütliche Wohnzimmer und setzte sich
mit ihm auf die große, weiche Sofalandschaft, auf der alle
Familienmitglieder sitzen konnten. Ylvie und Boss folgten.
„Jetzt
beruhige dich erst einmal und dann sagst du mir, was in deinem
kleinen Kopf passiert. Ich kann es nämlich gar nicht verstehen.“
Nach einer Weile, die Tränen liefen zwar noch immer über Lottes
Wangen, konnte das Mädchen wieder sprechen. „Mama, ich will keine
andere Puppe. Das hier ist meine Josefine. Diese und keine andere. Es
ist egal, wie sie im Moment aussieht. Ich habe sie so lieb, wie sie
ist. Ich möchte ihr nur ein bisschen helfen. Vielleicht kann ich sie
wieder parieren.“ Und damit meinte Lotte reparieren, doch dieses
Wort konnte sie nicht so richtig aussprechen. Mama lächelte. „Wie
klug du doch bist, kleine Lotte und wie recht du hast. Das hier ist
deine Puppe, es stimmt. Wir sollten sie nicht einfach gegen eine neue
eintauschen. Das wäre gemein von uns. Fine kann ja nichts dafür.“
In diesem Moment betrat Papa das Wohnzimmer und sah sich Josefine
ganz genau an. Mama, Lotte und Ylvie blickten ihn fragend mit großen
Augen an. Er nickte. „Ja, ja, ich glaube, ich kann Josefine wieder
fit kriegen. Gib sie mir mal her.“ Schweren Herzens löste sich
Lotte von ihrer verletzten Freundin und reichte sie ihrem Vater, der
mit Fine das Wohnzimmer verließ. „Was haltet ihr denn davon, wenn
wir den Frühstückstisch vorbereiten, während Papa als Puppendoktor
arbeitet?“ Die Mädchen, die ja nun schon eine lange Zeit unterwegs
gewesen waren und so allerhand Aufregung erlebt hatten, spürten auf
einmal, dass sie großen Hunger hatten. Beim Decken des Tisches in
der warmen Küche ging es Lotte schon viel besser und als sie den
ersten Schluck ihres süßes Kakaos trank, spürte sie eine
Behaglichkeit, obwohl Josefine so ramponiert war. Das Wichtigste für
Lotte war, dass sie ihre Freundin wieder hatte. Es dauerte nicht
lang, da brachte Papa die Patientin in die Küche, über die alle
laut lachen mussten. Er hatte ihr ein paar gelbe Haare zwischen die
roten Fransen geklebt, sie gesäubert, die zerrissenen Gliedmaßen
genäht, das kaputte Kleidchen durch das neue blaue ersetzt und ihr
auf die genähte Stelle im Gesicht ein buntes Pflaster geklebt. Lotte
öffnete ihre Arme und nahm das Püppchen zu sich, streichelte es und
war mehr als glücklich. „Ich finde, dass Fine noch viel schöner
aussieht als gestern. Aber ich möchte noch etwas tun.“ Die Familie
sah Lotte fragend an. „Ich möchte Boss auch etwas zum Kuscheln
schenken, damit er sich nicht immer unsere Hausschuhe oder Puppen
holen muss.“ Mama klatschte in die Hände. „Was für eine schöne
Idee, Lotte. Gleich nach den Weihnachtsfeiertagen gehen wir einen
kleinen Kuschelhund für Boss kaufen und Josefine und du, ihr dürft
ihn aussuchen.“
Durch den Duft und den
Lärm, der sich von der Küche aus im ganzen Haus ausgebreitet hatte,
wurde nun auch der Langschläfer Emil geweckt, der mit Schlafanzug
und verzottelten Haaren in die Küche schlurfte. Alle sahen ihn
gespannt an und Lotte hielt Fine hoch. Emils Augen, die gerade noch
klein und müde ausgesehen hatten, weiteten sich und sein Mund
öffnete sich. „Oh, wie sieht denn Josefine aus. Ist sie in den
Mixer gefallen?“ Alle lachten und dann erzählte Lotte ihrem großen
Bruder die ganze Geschichte, von Anfang an.
Diktat s-Laute Klasse 6
Mieses,
fieses Regenwetter
Als
ich heute Morgen, nachdem ich meinen heißen Kakao mit viel süßer
Sahne getrunken hatte, das Haus verließ, goss es in Strömen. Wie
aus Gießkannen schüttete es.
Ich
zog mich an, umfasste meinen Regenschirm und stieß mit dem rechten
Fuß die Haustür heftig zu, sodass sie sich mit einem lauten Krachen
schloss.
Dann
raste ich los über die nassen Straßen, durch Pfützen und Rinnsale,
bis ich endlich an der Bushaltestelle ankam. Ich grüßte meine
Freunde mit einem kurzen Nicken und ließ mich unter dem Dach des
Wartehäuschens nieder. Mich fröstelte und ich musste niesen. Aus
meiner Tasche fingerte ich ein weißes Taschentuch, doch ein
plötzlicher Windstoß blies es aus meiner Hand. Als ich es aufheben
wollte, fuhr ein Bus durch eine riesengroße Pfütze und spritzte
einen Wasserschwall zu mir.
Wie
ein begossener Pudel stand ich da, ich war klatschnass.
(142
Wörter)
Vorbereitung:
folgende Verben sowie Regeln der s-Laute
|
Infinitiv
|
Präsens
|
Präteritum
|
Perfekt
|
|
blasen
|
ich
blase
|
ich
blies
|
ich
habe geblasen
|
|
niesen
|
ich
niese
|
ich
nieste
|
ich
habe geniest
|
|
genießen
|
ich
genieße
|
ich
genoss
|
ich
habe genossen
|
|
stoßen
|
ich
stoße
|
Ich
stieß
|
ich
habe gestoßen
|
|
gießen
|
es
gießt
|
es
goss
|
es
hat gegossen
|
|
fassen
|
ich
fasse
|
ich
fasste
|
ich
habe gefasst
|
|
verlassen
|
ich
verlasse
|
ich
verließ
|
ich
habe verlassen
|
|
schließen
|
ich
schließe
|
ich
schloss
|
ich
habe geschlossen
|
|
rasen
|
ich
rase
|
ich
raste
|
ich
bin gerast
|
|
grüßen
|
ich
grüße
|
ich
grüßte
|
ich
habe gegrüßt
|
|
lassen
|
ich
lasse
|
ich
ließ
|
ich
habe gelassen
|
Diktieren:
Rinnsale, heute Morgen,
sodass, alle Kommas
Vorkenntnisse:
Nominalisierung (mit einem lauten Krachen, mit einem kurzen Nicken)
oder diktieren
Sonntag, 19. Januar 2014
Geschenke
Teil
2
Die
Suche
Schon früh am Morgen
erwachte Lotte, weil sich ihr Körper noch immer so kribbelig
anfühlte und sie ihn auf keinen Fall noch viel länger im Bett ruhig
halten konnte. Weihnachten, das Fest der Liebe, aber auch der schönen
Geschenke, konnte für ein fünfjähriges Mädchen schon sehr
aufregend sein. Für heute hatte sich Lotte viel vorgenommen, denn
ihre neue Puppe Josefine sollte ihr eine richtige Freundin sein, mit
der sie viel Zeit verbringen wollte. Und deshalb würde Lotte sie neu
frisieren, ihr ein anderes Kleidchen überziehen, um danach lange mit
ihr zu spielen. Vielleicht hatte Ylvie Lust, gemeinsam mit Lotte und
Finchen zu spielen? „Ich werde sie gleich danach fragen“,
beschloss das Mädchen, wollte Josefine schnappen, doch sie konnte
die neue Puppe nicht entdecken. Lotte schlug die schwere Bettdecke
nach oben und tastete sich mit ihren kleinen Händen unter der Decke
Zentimeter für Zentimeter nach vorn, aber unter der Bettdecke fand
sie Josefine nicht. „Brummeli, hast du sie gesehen? Wir haben doch
die Nacht alle zusammen hier im Bett gelegen.“ Brummeli antwortete
nicht. Lotte legte sich auf ihren Bauch direkt vor das Bett und
spähte darunter. Sie schob den Weidenkorb mit den bunten Gummibällen
zur Seite, um auch den hinteren Teil des Bodens zu begutachten, aber
hier fand sie Josefine nicht. „Brummeli, komm mit, wir müssen
Josefine suchen. Sie kann doch nicht weg sein.“ Barfuß, nur mit
einem Nachthemd bekleidet und den Bären unter dem rechten Oberarm
geklemmt schritt Lotte zunächst ihr Zimmer ab. Sie stellte sich auf
die Zehen, um durch die kleinen Luken des von Papa selbst gebauten
Holzkleiderschrankes zu spähen, konnte jedoch nichts erkennen. Sie
öffnete die ein bisschen quitschenden Türen und blickte etwas
ratlos in das Innere. Dann wühlte sie die zahlreichen Söckchen und
Strumpfhosen, die am Schrankboden sauber und ordentlich sortiert
lagen, durcheinander. Josefine fand sie nicht.
Lotte
rollte sich ihren gemütlichen Schreibtischstuhl vor den Schrank,
kletterte mit Brummeli darauf und suchte mit ihren Augen den Schrank,
der ziemlich staubig aussah, ab, doch statt ihrer Puppe entdeckte sie
nur den rosafarbigen Ball, den sie schon sehr lange vermisste. Mit
dem Zeigefinger der linken Hand konnte sie ihn zu sich rollen und auf
den Boden fallen lassen. Lotte hockte sich neben den Ball
und
überlegte. „Gestern Abend noch lag Finchen in meinem Bett. Danach
habe ich das Bett nicht mehr verlassen und Josefine vermutlich auch
nicht. Es muss sie jemand in der Zeit, als ich geschlafen habe,
geholt haben.“ Bei diesem Gedanken erschrak Lotte, weil sie es
nicht mochte, nachts gestört zu werden. Leise auf Zehenspitzen
schlich sie zu dem Zimmer ihrer älteren Schwester Ylvie, von der sie
wusste, dass ihr Josefine gut gefallen hatte, denn nicht nur einmal
hatte sie Lottes Puppe aufmerksam gemustert. Es schien Lotte also
möglich, dass Ylvie sich Josefine sozusagen ausgeliehen hatte, um
ihr vielleicht ihre kleinen und großen Sorgen mitzuteilen. Die
Holzbodendielen knarksten unter Lottes Schritten, auch die Tür von
Ylives Zimmer konnte Lotte nicht lautlos öffnen, obwohl sie sich
alle Mühe gab. Doch Ylvie schlief um diese Uhrzeit noch tief und
fest, sodass Lotte in aller Ruhe auf die Suche nach ihrer neuen
Freundin gehen konnte, ohne bemerkt zu werden. Gründlich durchsuchte
Lotte jede Ecke des Zimmers ihrer Schwester. Sie sah zuerst in Ylvies
Bett, danach darunter, sie öffnete den Kleiderschrank, sah auf dem
Schreibtisch nach, sie durchwühlte sogar Ylvies Schulranzen, aber
Josefine konnte sie nicht finden.
Leise schlich sie wieder
zur Tür, als Ylvie sich umdrehte und sie mit großen Augen ansah.
„Was
um alles in der Welt tust du denn da?“
Lotte erschrak und bekam
einen roten Kopf. Den bekam sie immer, wenn sie etwas tat, von dem
sie wusste, dass es nicht so richtig erlaubt war.
„Ich,
ich“, stotterte Lotte, doch ihr wollte nicht einfallen, was sie
Ylvie sagen sollte. Und auf einmal, Lotte war selbst überrascht,
fing das kleine Mädchen an zu weinen, zuerst waren es nur ein paar
kleine Tränchen, die auf ihre Wangen tropften, doch nach kurzer Zeit
schon begann sie laut zu weinen. Immer wieder musste sie die Tränen
wegwischen, die Nase tropfte und Lotte stand gebeugt vor ihrer
Schwester. Ylvie sprang aus dem warmen Bett, umarmte Lotte und führte
sie behutsam unter ihre kuschelige Decke. „Du zitterst ja und hast
eiskalte Füße. Wie lange bist du denn schon unterwegs? Und was ist
überhaupt los?“ Ylvie, die Lotte ein Taschentuch reichte, sah ihre
jüngere Schwester aufmerksam an, doch es dauerte noch eine Weile,
bis Lotte wirklich sprechen und nicht nur schluchzen konnte. „Finchen
ist verschwunden.“ Als Lotte diesen Satz ausgesprochen hatte, wurde
sie noch einmal gerüttelt von einem lauten Weinkrampf. Es war fast
so, als hätte sie erst jetzt, da sie die Worte über ihre Lippen
gelassen hatte, richtig verstanden, dass ihre neue, schon so lieb
gewordene Freundin wie vom Erdboden verschwunden war. Ylvie nahm
Lotte in den Arm und drückte sie fest an sich. „Und Brummeli
konnte deine Puppe auch nicht finden?“, wollte die große Schwester
wissen und Lotte schüttelte noch immer weinend den Kopf. „Was
haltet ihr zwei denn davon, wenn ich mit euch nach Josefine suche.
Sie kann sich ja nicht in Luft aufgelöst haben, oder?“ Lotte sah
ihre Schwester dankbar an und schlang ihre kleinen Arme um deren
Hals, drückte ihr einen feuchten Kuss auf die Wange und nickte.
„Aber zuerst, Lottchen, ziehen wir uns etwas an. Du hast ja noch
immer eiskalte Füße.“
Sonntag, 5. Januar 2014
Diktat Klasse 6 - Schwerpunkt: Nominalisierungen von Verben und Adjektiven
Jedes
Jahr aufs Neue
Die
Adventszeit mag ich am liebsten, auch wenn es in dieser
vorweihnachtlichen Zeit draußen sehr dunkel ist und man meist nicht
im Freien spielen kann.
Das
Schöne an der Vorweihnachtszeit sind die vielen Lichter in den
Fenstern, vor den Häusern und an den Bäumen. Auf dem Marktplatz
unserer Stadt steht jedes Jahr ein riesengroßer geschmückter
Tannenbaum, an dem zahlreiche Kerzen brennen. Viele Menschen
bewundern zum Weihnachtsmarkt das Leuchten und Glitzern sowohl des
Baumes als auch der vielen Stände und Buden, an die man durch das
Duften gezogen wird. Glühwein und Kinderpunsch, viel Gebasteltes,
Bratwurst, Lebkuchenherzen und gebrannte Mandeln kann man kaufen.
Zu
Hause beginnen wir mit dem Vorbereiten auf das Fest. Das Ausstechen
und Backen der Plätzchen sowie das Schreiben des Wunschzettels
gehören natürlich dazu.
129
Wörter
7
nominalisierte Verben, 4 nominalisierte Adjektive (davon 1 Partizip)
Häufige
Fehlerquellen:
meist,
vorweihnachtliche Zeit, draußen,
das Glitzern
Geschenke
Teil
1
Am
Weihnachtsabend
Josefine
hieß sie, die neue Puppe. Sie lag unterm Weihnachtsbaum und Lotte
hatte sie gleich gesehen, als sie das festlich geschmückte
Wohnzimmer an der Hand ihrer Mutter betrat.
Obwohl
der hohe und weite Raum nach Zimt, Orange und Tannennadeln duftete,
obwohl an den Wänden goldfarbige Lichter aus Glas hingen und obwohl
leise, beruhigende Musik, wie von Engeln gesungen, ertönte, konnte
man Josefine einfach nicht übersehen mit ihren langen, fransigen
roten Haaren, ihrem freundlichen Lächeln und dem knallbunten Kleid,
unter dem dünne, weiche Beine hervorsahen. Unruhig war Lotte vor dem
Weihnachtsbaum in der Mitte des Wohnzimmers stehen geblieben. Ihr
ganzer Körper kribbelte vor Aufregung und dem Wunsch, endlich die
Geschenke zu erhalten. Während Lotte mit Mama und Papa sowie den
älteren Geschwistern Emil und Ylvie die Weihnachtslieder sang, die
wie in jedem Jahr von Papa auf dem Klavier begleitet wurden, konnte
Lotte ihren Blick nicht von der hübschen Puppe lassen. Es schien ihr
fast, als würde Josefine ihr zuzwinkern. Noch nie zuvor hatte Lotte
so eine wunderschöne Puppe gesehen oder gar besessen. Bisher hatte
sie ihren kuscheligen Stoffbären Brummeli gehabt, der sich wunderbar
weich an ihren Körper schmiegte, wenn sie abends unter ihre
Bettdecke schlüpfte. Ihm erzählte sie ihre Sorgen, er flüsterte
Worte des Trostes, wenn sie sich mit ihren älteren Geschwistern Emil
und Ylvie gestritten hatte und, und das war das Wunderbarste, diese
Worte konnte nur sie, Lotte, verstehen.
Doch
nun bekam sie eine Puppe und das war etwas ganz Anderes als ein Bär!
Mit einer Puppe konnte man auch kuscheln, sie konnte trösten, man
konnte ihr die Sorgen erzählen, natürlich, aber, und das machte sie
zu etwas Besonderem, sie konnte in wesentlich mehr Rollen schlüpfen
als ein Kuschelbär.
Mit
ihrer besten Freundin spielte Lotte im Kindergarten oft Vater, Mutter
und Kind. Wie gut würde sich Josefine für dieses Spiel eignen. Ohne
Probleme würde die Puppe sowohl die Rolle der Mutter als auch des
Kindes übernehmen können. Wenn man ihr eine Mütze oder Kappe über
ihre langen roten Haare stülpte, war sogar die Rolle des Vaters
möglich.
Lotte
würde die Puppe frisieren können, ihr Zöpfe binden oder die Haare
flechten. Sie könnte ihr neue Kleider anziehen, was bei einem Teddy
zwar möglich, aber doch auch etwas lächerlich war, denn schließlich
hatte ein Teddy keine langen Haare zum Kämmen und Lotte fand, dass
sie mit ihren fünf Jahren einfach zu groß war, um den Bären
Brummeli ständig umzuziehen.
Nach
dem Singen der Weihnachtslieder durfte das jüngste Kind mit dem
Öffnen der Geschenke beginnen, das war in jedem Jahr so. Lotte war
das jüngste Kind. Ihr wurde es abwechselnd kalt und heiß, weil sie
nervös war. Ganz vorsichtig trat das Mädchen an den Weihnachtsbaum
heran, bückte sich und zog langsam die Puppe an einem Arm unter dem
Baum hervor. Sie drückte das weiche Stoffpüppchen in ihren Arm, gab
ihm einen Kuss auf den roten Mund und sprach: „Josefine sollst du
heißen, Josefine ist ein schöner Name, aber vielleicht werde ich
dich auch öfter mal Fine nennen, weil das ein bisschen kürzer ist,
weißt du.“ Die Puppe war damit gleich einverstanden, Lotte hatte
es gespürt, denn es schien ihr, als würde sie Lotte schon wieder
zuzwinkern.
Den
ganzen Abend, als die Familie an dem großen mit einer weißen
Tischdecke gedeckten Esstisch im Wohnzimmer saß und das köstliche
und duftende Federvieh verzehrte, als die Familie nach dem Essen die
Autorennbahn von Emil aufbaute und ausprobierte und als alle mit
Ylvies Holz-Zoo spielten, hielt Lotte ihre neue Freundin fest an sich
gedrückt. Sie konnte ihr Glück noch gar nicht fassen. „Siehst du
Finchen, das ist mein Bruder Emil. Er hat sich eine Autorennbahn
gewünscht und schau, wie er sich freut. Am liebsten spielt er mit
Papa, guck, wie die beiden um die Wette fahren. Ich glaube, Papa ist
heute auch noch einmal ein kleiner Junge geworden. Hast du bemerkt,
wie seine Augen glänzen?“
Lotte
lief mit Josefine durchs ganze Haus, um ihr das neue Heim zu zeigen.
In einer Niesche in dem geräumigen Flur stand das Körbchen von
Boss, dem alten Collirüden. Lotte hielt ihre Puppe mit beiden Händen
weit nach vorn.„Boss, sieh mal“, das ist Josefine, meine neue
Freundin.“ Der Hund trottete an Lotte heran und schnupperte mit
seiner schwarzen feuchten Nase an den roten, wuscheligen Haaren der
Puppe. „Sie wird ab heute bei uns wohnen, weißt du. Sei bitte ein
bisschen nett zu ihr und belle nicht so laut, damit sie sich bei uns
auch wohl fühlt, ja?“, forderte Lotte den Collie auf, der, als er
verstanden hatte, sich zurück zu seinem Körbchen schleppte,
sich hineinlegte und die Augen schloss.
Am
späten Abend, als Lotte schon im Bett lag, machte sie Josefine mit
Brummeli bekannt, denn ab heute mussten sie sich zu dritt den Platz
im Bett teilen. Lotte legte ihren Bären auf das Kopfkissen rechts
neben ihrem Kopf, Josefine nahm sie in den Arm. Dann zog sie die
weiche Bettdecke über ihren Kopf, drehte sich auf die rechte Seite,
sodass eine kleine Höhle entstand. Es war ein wundervolles Gefühl,
sicher und geborgen zu liegen und von Brummeli und Finchen umgeben zu
sein. „Stille Nacht, heilige Nacht“, sang Lotte ihren
Bettgefährten vor, dann schlief sie tief und fest ein.
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